Klassisches Japanisch

Empfehlenswerte Lehrbücher

Empfehlenswerte Wörterbücher

Lewin

Bruno Lewin, ehemals Professor für japanische Sprachwissenschaft an der Universität Bochum, legte 1959 erstmals seinen Abriß der japanischen Grammatik vor. In bewußter Anpassung an die japanische Schulgrammatik wird die klassische Schriftsprache der Heian-Zeit zusammen mit den Aquivalenten in der modernen Umgangssprache dargestellt.Lewin behandelt nacheinander Lautlehre, Schriftlehre, Wort- und Formenlehre und Satzlehre. Innerhalb der Wort- und Formenlehre werden die grammatischen Kategorien wie Aktiv, Passiv usw. nacheinander behandelt. So werden die Verbalsuffixe -ru/ -raru einmal unter dem Passiv und dann wieder unter dem Honorativ behandelt. Lewins grammatikalische Erläuterungen sind klar und präzise, die von ihm verwendetete Terminologie ist allerdings ohne Kenntnis des Lateinischen nur schwer nachvollziehbar. Die Beispielsätze werden in rômaji zusammen mit einer deutschen Übersetzung wiedergegeben.

Bruno Lewins "Japanische Chrestomathie von der Nara- bis zur Edo-Zeit "erschien 1965 als praktisches Gegenstück zur Grammatik. Sie enthält 66 Textproben vorwiegend aus dem Bereich der schönen Literatur von der Nara- bis zur Edo-Zeit. Das Werk besteht aus einem Kommentar-Band (Texte in Rômaji) und einem Text-Band (Kanji); Signatur 810.78-4
Jedes Textbeispiel wird folgendermaßen eingeführt: 1. Titel und Art des Textes, 2. Entstehungs- und Gattungsgeschichte, Person des Verfassers, 3. Inhalt und Wirkung des Werkes, 4. literarische Form, Sprache und Stil, 5. Text- und Forschungsgeschichte, 6. kurze Bibliographie der Übersetzungen und Monographien in westlichen Sprachen.

Ikeda

Ikeda Tadashi, seiner Zeit Professor an der Chiba Daigaku, verfaßte 1975 ein Lehrbuch für Studierende, welches sich durch eine systematische Darstellung der Grammatik und zahlreiche, anschauliche Beispielsätze auszeichnet. Das Lehrbuch beruht auf der Literatur und Sprache des 10. und 11. Jh., weil Ikeda glaubt, daß Studenten, die mit der Sprache der Heian-Zeit vertraut gemacht worden sind, später keine Schwierigkeiten haben werden, sich mit der Literatur anderer Epochen zu beschäftigen.
Die Beispielsätze wurden fast ausschließlich aus dem Ise Monogatari, dem Makura no Sôshi, dem Genji Monogatari und dem Kokin Wakashû gewählt. Die Herkunft des Zitats wird in Klammern hinter jedem Satz angegeben; im Anhang finden sich die Texte als Ganzes mit den Nummern der jeweiligen Beispielsätze versehen. Es werden durchgehend englische und japanische Bezeichnungen gewählt; alle Beispielsätze sind mit Kanji, teilweise mit Furigana versehen.
Ikedas Lehrbuch ist das ausführlichste seiner Art. Im ersten Kapitel wird die historische Kana-Schreibung vorgestellt. Kapitel zwei behandelt die Flexion der Verben und Adjektive sowie die Verbalsuffixe. In Tabellen werden die vormoderne und moderne Flexion gegenübergestellt, z. B. yodan und godan katsuyô. Zudem gibt es Beispielsätze für die einzelnen Flexionsstufen mit Übertragungen ins moderne Japanisch und ins Englische.
Die Verbalsuffixe werden, thematisch angeordnet, auf über 80 Seiten dargestellt. In einer Tabelle wird zuerst die Flexion des jodôshi vorgestellt, dann der Anschluß genannt; es folgen die unterschiedlichen Bedeutungen mit Entsprechungen im modernen Japanisch und Englisch. Danach gibt es für jede Bedeutung mehrere Beispielsätze mit japanischen und englischen Übersetzungen; grammatikalische Besonderheiten werden in Fußnoten erläutert. In Kapitel drei werden honorative Verben und Hilfsverben, und in Kapitel vier Partikel, Adverben, Präfixe und Suffixe auf die gleiche Weise ausführlich dargestellt. Das letzte Kapitel behandelt die Satzstrukturen des klassischen Japanisch.

Komai/ Rohlich

Das Werk von Komai Akira (Nanzen Daigaku) und Thomas H. Rohlich (University of Iowa) ist als Lehrbuch für den Unterricht an Universitäten gedacht und kann in einem Semester durchgenommen werden. Solide Kenntnisse des modernen Japanisch, d. h. schätzungsweise 450 Stunden Japanisch Unterricht, sind Voraussetzung für die Arbeit mit diesem Lehrbuch. Als Methode wird empfohlen, daß die Studenten jeweils ein Kapitel zuhause durcharbeiten und die Übungen vorbereiten sollen; und dann im tatsächlichen Unterricht die Fragen der Studenten zu den grammatikalischen Erklärungen sowie die Hausaufgaben besprochen werden sollen. Das Buch ist zudem als Nachschlagewerk für fortgeschrittene Studenten gedacht.
Komai und Rohlich sind der Ansicht, daß im Bereich der Flexionsklassen und Verbalsuffixe die größten Unterschiede zum modernen Japanisch liegen und konzentrieren sich in ihrem Lehrbuch auf diese Themen. Im Bereich des Vokabulars werden eine Reihe von Begriffen aus der Heian-Zeit eingeführt und diejenigen Worte besonders hervorgehoben, bei denen es große Bedeutungsunterschiede zum modernen Japanisch gibt.
Das Lehrbuch beginnt mit einer ausführlichen Darstellung der Flexion der Verben und Adjektive. Neben den englischen werden immer auch die japanischen Bezeichnungen für grammatische Begriffe verwendet; als Lateinumschrift wird das in der Japanologie wenig verbreitete Kunreishiki System verwendet. Zu allen Beispielsätze gibt es Übersetzungen ins moderne Japanisch und ins Englische; bei schwierigen Begriffen werden Furigana angegeben, außerdem gibt es Vokabellisten mit kurzen Erläuterungen in modernen Japanisch und Englisch.
Der Hauptteil des Werkes besteht aus der Behandlung der Verbalsuffixe, welche nach Bedeutung geordnet vorgestellt werden. In jedem Kapitel werden zunächst die wichtigsten Information wie Anschluß, Flexion und Bedeutung eines Verbalsuffixes genannt. Danach folgt eine Tabelle mit der Flexion des Verbalsuffixes und Beispielsätze für alle sechs Flexionsstufen. Die unterschiedlichen Bedeutungen des Verbalsuffixes werden anhand von zahlreichen Beispielsätzen klar und deutlich erklärt. Es folgen Übungsaufgaben, deren Lösung im Buch allerdings nicht angegeben wird.

Shirane

Haruo Shirane ist Professor für japanische Literatur an der Columbia Universität und Autor des 2005 erschienen „Classical Japanese. A Grammar“. Das über fünfhundert Seiten umfassende Werk ist sowohl als Lehrbuch wie auch als Nachschlagewerk gedacht und besteht aus fünf großen Abschnitten. Im ersten Teil werden die Flexion der Verben und Adjektive sowie die Verbalsuffixe dargestellt. Teil zwei beschäftigt sichin erster Linie mit den Partikeln und im dritten Teil werden honorative Verben und die Besonderheiten der narazeitlichen Grammatik behandelt. Der vierte Teil enthält eine Reihe von Appendices zu speziellen Themen des klassischen Japanisch. Übungsaufgaben und Tabellen, deren Lösungen im zweiten Heft enthalten sind, schließen das Werk ab.

Shiranes Grammatik ist zweifelsohne das umfangreichste Werk seiner Art. Gleichzeitig ist es das erste Lehrbuch für klassisches Japanisch, welches zusätzlich zu den Übersetzungen der japanischen Beispielsätze eine – wenn auch nur sehr knapp ausfallende – grammatikalische Analyse bringt. Die Tatsache, daß weiterführende Informationen in Form von Exkursen präsentiert werden, macht das Buch auch für Anfänger leicht zugänglich.

Wixted

John Timothy Wixted ist emeriter Professor der Arizona State University, an der er über fünfundzwanzig Jahre lang Chinesisch und Japanisch unterrichtete. Sein „Handbook to Classical Japanese“ legt den Schwerpunkt auf den Erwerb der Verbalsuffixe, die in rund vierhundert authentischen Beispielsätzen aus der klassischen japanischen Literatur behandelt werden. Wixted bringt in der Regel drei Sätze für jede Flexionsform eines Verbalsuffixes; ab und an werden die Beispiele auch nach den unterschiedlichen Bedeutungen angeordnet. Besonders hervorzuheben ist, daß für jeden Satz die genaue Fundstelle in „Nihon Koten Bungaku Taikei“ sowie weitere literarische Übersetzungen in englischer, französischer, deutscher und spanischer Sprache angegeben werden.

Didaktisch sehr gut aufbereitet sind die Kapitel 3 „Which Verbs Belong to Which Conjugations?“, 4 „Principal Uses of the Six Verb-Forms“, 8 „How to unpack Bungo Verbs“ und 13 „Respect Language“ der Einleitung. Erstmals finden sich in einem westlichsprachigen Bungo Lehrbuch auch Erläuterungen zu gleichlautenden Endungen: „Items Easily Confused: Apparent Ambiguity“, „Nari Headaches“ und „Namu/nan Trouble“ (Kapitel neun bis elf der Einleitung).